Glück als Lebenseinstellung

Ich treffe Bettina an einem Tag, an dem sich der Herbst von seiner wunderschönen nass-grauen Seite zeigt und es von morgens bis abends Bindfäden regnet. Sie lebt in ihrer Wunschheimat, im oberbayrischen Murnau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Dort hat sie sich mit ihren eigenen Händen auf einem gepachteten Stück Land über die vergangenen zehn Jahre ein Zuhause gebaut. Sie lebt in ihrem selbstausgebauten Seefracht Container, den sie für 1€ online erstanden hat. Sie hat sich ihr eigenes Paradies erschaffen, in dem sie als Selbstversorger lebt, Tiny-Häuser vermietet und Seminare zu verschiedenen Themen gibt.

Bettina blickt auf ein Leben voller Höhen und Tiefen zurück. Sie verliert früh ihre Mutter an Krebs, flüchtet im Alter von gerade mal 15 Jahren von zu Hause. Bereist die Welt, unternimmt in den 90igern einige Expeditionen mit dem Motorrad durch Afrika, bei denen sie fünf Mal die Sahara durchquert. 1996 wird sie zusammen mit ihren Reisebegleitern in der Republik Tschad entführt und blickt dabei mit Kalaschnikow am Kopf dem Tod ins Auge. Was ihr Leben aber wirklich ändert ist das, was sie auf dieser Reise zu sehen bekommt: Hunger, Armut, sterbende Kinder und durch explodierte Minen verstümmelte Menschen.

Fotograf Alexander Tempel fotografiert zufriedene Menschen in den Alpen

Sie erzählt mir, dass sie durch ihre Lebenserfahrungen heute ein Leben leben kann, in dem sie immer glücklich ist. Sie macht keine langfristigen Pläne und lebt im Hier und Jetzt. Deshalb gibt es für sie auch keine Tätigkeiten, die ihr keinen Spaß machen. Sollte doch mal etwas zu tun sein, was ihr nicht gefällt, wird es kurzerhand wegdelegiert.

Bettina glaubt an Karma: „Alles was du anderen Menschen gibst, bekommst du auch wieder zurück.“ Als im vergangen November ein Föhn-Sturm die Dächer von einigen ihrer Gebäuden reist, sind am kommenden Tag viele freiwillige Handwerker zur Stelle, die ihr helfen, alles wieder aufzubauen.

Fotograf Alexander Tempel fotografiert zufriedene Menschen in den Alpen

Im März diesen Jahres sitzt sie durch den Corona-Lockdown für einige Monate in Marokko fest. Sie startet eine lokale Hilfsaktion und fährt mit ihrer roten Feuerwehr, ein zum Camper umfunktionierter Mercedes LKW, durch die Dörfer und verteilt Nahrungsmittel-Hilfspakete. Seit Mitte August ist sie wieder zurück in Deutschland und ist gerade damit beschäftigt, ihr Zuhause wieder in Ordnung zu bringen, da Frühling, Sommer und Herbst ihre Spuren hinterlassen haben.

Fotograf Alexander Tempel fotografiert zufriedene Menschen in den Alpen

Ich bin tief beeindruckt, von dem was Bettina schon alles in ihrem Leben erlebt hat und mit welcher positiven Ausstrahlung und Einstellung sie durch den Tag geht. Danke für deine Zeit und die leckeren frisch-gebackenen Apfel-Küchlein, liebe Bettina!

Alle Beiträge
×

Fast fertig…

Wir senden Ihnen nur eine E-Mail. Bitte klicken Sie auf den Link in der E-Mail-Abonnements zu bestätigen!

okay